Leben an Bord

Die Lebensverhältnisse an Bord eines großen Segelschiffs veränderten sich zwischen dem 17. Jahrhundert und dem Ende der Segelzeit kaum. Der Tag war bestimmt von harter Arbeit. Ein Teil der Crew war zum Beispiel für das Setzen und Bergen der Segel zuständig. Die Deckplanken mussten feucht gehalten werden um Risse im Holz zu verhindern, Reparaturen am Schiff erledigt und die Ausrüstung in Stand gesetzt und gereinigt werden. Dazu kamen die jeweiligen Wachen am Tag und in der Nacht. Navigatorische und organisatorische Aufgaben mussten ebenfalls erledigt werden.

Verpflegung auf See

Die Fahrzeiten konnten nicht genau geplant werden und die Lebensmittelrationen waren oft schlecht kalkuliert. Eine Überfahrt konnte durch das Wetter leicht doppelt so lange wie angesetzt dauern, manchmal noch länger. Die Versorgung der Mannschaft auf langen Fahrten mit Lebensmitteln war eine schwierige Aufgabe und änderte sich zweihundert Jahre nicht wesentlich. Oft war die Verpflegung schlecht und die Mannschaften schätzten sich glücklich, wenn sie keinen Hunger leiden mussten. Deshalb waren die Piraten, die meist in Küstennähe blieben, oft fitter und gesünder als die Mannschaften der Handelsschiffe, die oft schon wochenlang ohne Halt unterwegs waren.

Die Kochgelegenheiten an Bord waren primitiv: auf einem großen Schiff war das Zubereiten der Mahlzeiten keine leichte Aufgabe. Ein riesiger Kessel wurde auf einen Herd gesetzt und mit Hilfe von Seilen gegen das Rollen des Schiffes gesichert. Der Herd stand zum Schutz gegen die Feuergefahr auf dem Oberdeck. Für die Mahlzeiten waren die Seeleute in Gruppen eingeteilt, die gewöhnlich aus sieben Mann bestanden. Jede Gruppe saß zusammen und aß aus demselben Topf. Teller und anderes Geschirr war den Offizieren vorbehalten. Salz war das einzige Mittel zur Konservierung der Nahrungsmittel und es wurden große Mengen an gesalzenem Fisch und Fleisch verbraucht. Frischfleisch gab es kaum, da man nur wenig lebendiges Vieh mit an Bord nehmen konnte. Deshalb versuchten die Seeleute, frische Fische zu fangen, um ihre eintönige Speisekarte, die sonst nur aus Trockengemüse und Zwieback bestand, etwas aufzupeppen. In tropischen Gewässern wurde eifrig nach Schildkröten gefischt, die wegen ihres delikaten Fleisches sehr beliebt waren. Nach dem Fang wurden sie gestapelt und mit Salzwasser übergossen, so blieben sie auch ohne Fütterung über einen Monat lang frisch. Schildkrötensuppe wurden als Heilmittel gegen Seekrankheit angesehen. So macher Seemann hat sicherlich die Seekrankheit vorgetäuscht um an die begehrte Suppe zu kommen. In der feuchten Luft verdarben die Lebensmittel, die in Holzfässern gelagert waren, sehr schnell. Notfalls mussten die Seeleute Ratten essen, wenn sie aufgrund des schlechten Wetters nicht fischen konnten.

"...man muss das Gute mit dem Schlechten essen... , verrottetes Brot und Fleisch, dessen Gestank beim Einweichen manchmal sogar den am wenigsten Wählerischen unter uns erschreckt ...", lautete das Zitat eines Seemanns.

Der Schotte Dr. James Lind entdeckte erst Mitte des 18. Jahrhunderts den Zusammenhang zwischen Skorbut und dem Mangel an frischem Obst oder Gemüse. Britische Besatzungen wurden daraufhin regelmäßig mit Zitronensaft versorgt. Kapitän James Cook hatte 1772 auf seiner Reise eine große Menge Orangen- und Zitronensaft an Bord. Die Getränke an Bord waren ein Problem für sich. Die Briten und Holländer bevorzugten Rum und Bier während die Franzosen Wein und Spirituosen mitführten. Während des 18. Jahrhunderts erhielten die Matrosen täglich eine Ration Rum. 1740 hatte Admiral Vernon die Idee, den Verbrauch an Rum zu senken, indem er ihn mit Wasser verdünnte. Dieser Punsch erhielt den Namen Grog, da der Admiral unter diesem Spitznamen bekannt war. Das größte Problem aber war die Versorgung mit Frischwasser, denn sie blieb der Alptraum der Seeleute bis zum Ende der Segelzeit. Das Problem bestand in der schlechten Haltbarkeit des frischen Wassers in Fässern. Es wurde bis zur Einführung des hygienischen Metalltanks 1825 in Holzfässern gelagert und war demzufolge schnell verdorben und ungenießbar. Die zahlreichen Versuche, Seewasser zu entsalzen, brachten keinen wesentlichen Erfolg. Auch James Cook hatte auf seinen Reisen Destillationsapparate an Bord, die aber wenig Nutzen brachten. So blieb Trink- und Frischwasser an Bord sehr knapp.

Vergnügen an Bord

Trotz aller Gefahren und Schwierigkeiten – oder vielleicht gerade deshalb – fanden die Seefahrer doch Mittel und Wege, um sich an Bord zu vergnügen. Man spielte, erzählte sich Geschichten und rauchte eine Pfeife, die an einem obligatorischen Docht angezündet wurde, welcher von einem Posten stets gut bewacht war.

Es bestand überall an Bord Feuergefahr und so war das Rauchen nur auf dem Oberdeck gestattet. Der tägliche Nachrichtenaustausch wurde Docht-Gazette genannt. Auch sportliche Spiele, in denen die Matrosen ihre Geschicklichkeit beweisen mussten, dienten der allgemeinen Erheiterung. Obwohl das Spielen um Geld an Bord strengstens verboten war, wurden hier und da ein paar Münzen verspielt. Auf großen Schiffen wurden sogar Musiker mitgenommen, um die Mannschaft aufzuheitern. Dies galt auch für einige Piratenschiffe.

Ordnung und Disziplin

Es war keine leichte Aufgabe an Bord eines Schiffes eine gewisse Ordnung zu halten, da durch die Überfüllung ein reges Durcheinander herrschte. Ein Teil der Ladung und des Proviants musste an Deck verstaut werden und Matrosen und Passagiere drängten sich im Zwischendeck unter Kisten und Paketen zusammen. Manchmal war nicht einmal ausreichend Platz, eine Hängematte aufzuhängen. Die Matrosen hatten große Mühe, das Schiff sauber zu halten und es ließ sich nicht vermeiden, dass Ratten und anderes Ungeziefer unliebsame Fahrgäste wurden. Fragwürdige Hygiene, schlechte Ernährung, dauernde Feuchtigkeit, Platzmangel und schlecht gelüftete Quartiere waren die Regel. So breiteten sich immer wieder Epidemien und Krankheiten aus, da diese Umstände ein idealer Nährboden waren. Zahlreiche Expeditionen, wie auch der normale Handelsverkehr scheiterten oft daran, dass viele Matrosen an den Folgen dieser Krankheiten starben. Über Behandlung und Ursachen dieser Bordkrankheiten war damals sehr wenig bekannt. Die Schiffsärzte waren keine großen Könner, denn die mitgeführten Medikamente waren unzureichend. Der medizinische Fortschritt war zu dieser Zeit sowohl auf Schiffen als auch an Land noch nicht sehr weit fortgeschritten. Die Zahl der Sterblichkeit auf langen Reisen ging erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Starb ein Seemann an Bord, so wurde sein Leichnam in Segeltuch genäht und dem Meer übergeben. Da viele Seeleute sehr abergläubisch waren erwies die komplette Mannschaft ihrem Kameraden - egal ob das Verhältnis zu ihm gut oder schlecht war - die letzte Ehre mit Gebeten und guten Wünschen. Denn in den Tiefen lag das Reich von Davy Jones...

Die schwierigen Verhältnisse an Bord verhärteten die Charaktere der Seeleute. Streitlust und Trunklust waren an der Tagesordnung. Durch harte körperliche Züchtigung erhoffte man sich auf den Schiffen der Armee eine gewisse Zucht an Bord zu halten. Die schwersten Strafen waren Spießrutenlaufen (unter Aufsicht von Offizieren bilden ein oder mehrere hundert Mann mit vorgestelltem Gewehr eine etwa 2 m breite Gasse, die der bis zum Gürtel entblößte Verurteilte mit auf der Brust zusammengebundenen Händen mehrmals langsam bei Trommelschlag durchschreiten muss. Hierbei erhält er von jedem Soldaten mit einer Hasel- oder Weidenrute (Spieß- oder Spitzrute) einen Schlag auf den Rücken. Um den Verurteilten am schnellen Gehen zu hindern, schreitet ein Offizier mit ihm vor die Brust gehaltener Säbelspitze voran. Konnte der Verurteilte nicht mehr gehen, so wurde er auf Stroh gelegt und erhielt dann die festgesetzte Anzahl von Streichen. Um „sich den Schmerz zu verbeißen“, hielt der Verurteilte beim Spießrutenlaufen eine Bleikugel zwischen den Zähnen.) und Kielholen (der Verurteilte wird an einem Tau quer- oder längsschiffs unter dem Schiffskiel entlang gezogen. Kielholen endete angesichts der schweren Verletzungen, die durch rauhe Ablagerungen wie Seepocken und scharfschalige Muscheln am Schiffsrumpf entstanden, oft tödlich.)

Aber auch diese Strafen halfen nicht wirklich. Auf langen Reisen war der Umgang miteinander oft sehr aggressiv, da viele Personen auf engstem Raum zusammengepfercht waren. Eine Änderung trat erst Ende des 18. Jahrhunderts ein, als die Besatzung, durch den technischen Fortschritt um ein erhebliches Maß reduziert werden konnte.

Trotz der Entbehrung und harten Arbeit war für viele Seeleute (und besonders Piraten) das Leben an Bord weit mehr:

Wo wir auch hinfahren wollen, wir fahren hin. Dazu ist ein Schiff doch da.
Es ist nicht nur ein Kiel und ein Deck und ein Rumpf und ein Segel - das alles braucht ein Schiff.
Aber was ein Schiff bedeutet, was die Black Pearl bedeutet, ist die Freiheit.

(Captain Jack Sparrow)

Berufe und Tätigkeiten an Bord eines Segelschiffes

Die Aufgaben unterschieden sich bei einem Kriegsschiff, Handelsschiff oder Piratenschiffs nur unwesentlich.
Allerdings waren alle Piraten Vollmatrosen oder Matrosen. Die Maat- und Stewardposten fielen weg, da alle Männer und Frauen an Bord im Notfall gefallene Kameraden ersetzen mussten. Also wurden die Mannschaftsmitglieder “Tätigkeitenübergreifend” geschult.

Bei der Scavenger Crew hat jedes Mitglied mehrere Aufgaben.
Dies bedeutet zwar mehr Arbeit, aber die Beute wird durch eine geringere Anzahl von Personen geteilt!

Kapitän / Captain
Der Kommandant eines Schiffes.

Leutnant / Lieutenant
Der erste Offizier, es kann aber auf einem Schiff auch mehrere Leutnante geben.

Fähnrich / Midshipman
Ein Seemann in der Ausbildung zum Offizier.

Steuermann / Ship's Master
Ist dem Kapitän und seinem Ersten Offizier untergeordnet, ansonsten aber kommandiert und navigiert er das Schiff.
Der Kapitän gibt die Befehle an den Steuermann weiter, der sie dann umsetzt.

Steuermannsmaat / Master's Mate
Seemann in der Ausbildung zum Steuermann.

Quartiermeister / Quartermaster
Für die Organisation der Navigation des Schiffes verantwortlich.

Rudergänger / Helmsman
Steht einer Schiffswache vor, ist für das Ruder zuständig.

Zahlmeister / Purser
Überwacht alle Finanzangelegenheiten des Schiffes; ebenso alle Versorgungsgüter.

Steward
Assistent des Zahlmeisters.

Smutje
Bereitet die mehr oder weniger schmackhaften Mahlzeiten an Bord zu.

Bootsmann / Boatswain bzw. Bosun
Höchstrangiger Matrose an Bord, empfängt seine Befehle vom Steuermann und gibt sie an die Männer weiter.
Ist auch für die Durchführung von Disziplinarstrafen zuständig (z.B. Auspeitschen).

Bootsmannsmaat / Boatswain's Mate
Helfer des Bootsmannes.

Segelmacher
Repariert alte Segel und fertig neue Segel aus eingekauftem Tuch.

Segelmeister / Master of the Tops
Erfahrener Matrose, der für das Setzen der Segel zuständig ist.

Vorschiffmeister / Master of the Forecastle
Verantwortlich für das Vorschiff, z.B. Lichten des Ankers.

Waffenmeister / Master at Arms
Überwacht alle Handfeuerwaffen an Bord, verwahrt den Schlüssel zur Waffenkammer.

Büchsenmacher / Gunsmith
Repariert alle Waffen an Bord.

Zimmermann / Carpenter
Erledigt alle anfallenden Holzarbeiten: Reparaturen, Instandhaltung oder Bau neuer Teile.

Stückmeister / Master Gunner
Verantwortlich für die Kanonen an Bord: Abfeuern, Reparieren, Instandhalten.

Stückmeistermaat / Gunner's Mate
In der Ausbildung zum Stückmeister befindlich.

Schiffsarzt
Für die Aufrechterhaltung der Gesundheit an Bord zuständig. Selten wirklich gut ausgebildet, oft nur ein Wundheiler.

Sanitätsmaat / Surgeon's Mate
Assistent des Arztes.

Loblolly Boy
Erledigt kleinere Aufträge für den Bordarzt, ist zugleich eine Art von Krankenschwester.

Vollmatrose / Master Mariner
Erfahrener Seemann. Hier sitzt jeder Handgriff, jeder Befehl wird präzise und schnell ausgeführt.

Matrose / Able Seaman
Seemann mit etwas Erfahrung.

Leichtmatrose / Ordinary Seaman
Kaum ausgebildeter Matrose.

Landratte / Landlubber
Matrose auf seiner ersten Fahrt überhaupt.