Making of

von der Landratte zum gefürchteten Piraten

Wer sich mit einem Polyesterfaschingspiratenkostüm samt Plastiksäbel, Plastikhakenhand, Plastikaugenklappe und aufgemaltem oder geklebtem Bart ins Getümmel stürzen will und sich dabei wohl fühlt, kann dies gerne tun. Faschingspiratenkostüme werden heute nur aus einem Grund aus Polyester gefertigt: Das Material ist billig in der Herstellung und wird zu überteuerten Preisen angeboten. Es hat aber leider garnichts mit authentischem Aussehen zu tun. Der Stoff wird meistens knallrot oder strahlendweiß eingefärbt. Damit sieht man dann eher wie eine Karikatur eines Piraten aus. Schreiend Bunt und Klinisch rein.

Uns ist das zu wenig!

Bereits für wenig Geld kann man Kostüme anfertigen, die Kinderaugen leuchten lassen und so manchen Feind panisch in die Flucht schlagen. Die Realisierungkosten unserer "Alltagskleidung" liegen zwischen 50 und 250 Euro. Man muss etwas Zeit und Arbeit investieren, aber es lohnt sich! Hehe!...

An dieser Stelle findet ihr die Grundlagen und Tips, wie ihr selbst in die Haut eines überzeugenden Piraten schlüpfen könnt.

Wilde Gesellen

Körperpflege und Sauberkeit:

Sicherlich gab es auch glatt rasierte Piraten, aber die meisten Männer ließen sich einen Bart stehen um ihr Gesicht vor Wind und Wetter zu schützen. Sie rasierten sich höchstens mal um den Damen auf Landgang besser zu gefallen.

Niemand muss sich jetzt einen Rauschebart wachsen lassen um einen überzeugenden Piraten abzugeben. Sich am Morgen vor dem Auftritt nicht zu rasieren oder einen Dreitagebart wachsen zu lassen, reicht oft völlig. Bei den Auftritten der Scavenger Pirates wird immer mal wieder gefragt - in Einzelfällen sogar getestet - ob unsere Bärte tatsächlich echt sind. Dank gutem Bartwuchs ist jedes einzelne Haar selbst gewachsen. Aufgemalte oder angeklebte Bärte sind absolut tabu! Den wettergegerbten Eindruck kann man mit etwas Schminkfarbe in Braun und Schwarz im Gesicht und an den Händen noch verstärken.

Hakenhand und Co.:

Jeder zweite Faschingspirat rennt mit Augenklappe und Hakenhand rum. Durch Kämpfe, Unfälle oder Krankheiten konnte ein Seemann durchaus eine Hand, ein Bein oder ein Auge verlieren. Häufig starb der Pirat an solchen Verletzungen weil er verblutete oder Wundbrand bekam. Überlebte er, war dies trotzdem oft das Ende seiner Piratenkarriere, da er viele Arbeiten an Bord nicht mehr verrichten konnte. An Land konnte er vielleicht noch eine andere Arbeit finden.

An Bord der Scavenger haben aus diesen Gründen nur Steuermann Tom Sharkhand und Bootsmann Douglas "Claymore" McColl ein Handicap und Aufgaben an Bord, die sie auch weiterhin ausüben können.

Kleidung der Piraten im 17. Jahrhundert

Piraten kamen aus allen Teilen der damals bekannten Welt und brachten ihre Kultur mit an Bord. Diese Einflüsse schlugen sich auch in der Kleidung nieder. Manche Seeräuber trugen Seidenhemden aus Asien oder orientalische Kleidung. Die Meisten zogen aber die übliche englische oder französische Herrenmode des ausgehenen 17. Jahrhunderts vor. Als erstes Kleidungsstück wurde ein Hemd angezogen. Das Hemd war Teil der Unterwäsche. Zeigte man mehr als die Ärmel und den Kragen des Hemdes galt man damals als nackt. Das interessierte die Piraten allerdings meistens herzlich wenig. Dazu kurzen Hosen - Breeches oder Culotte genannt - die bis knapp über das Knie gingen. Es gab allerdings auch damals schon knöchellange Modelle. Strumpfhosen, wie in dieser Zeit bei den Männern Mode, leistete sich - wenn überhaupt - meist nur der Captain. Über dem Hemd trug man eine Weste. Darüber kam zuletzt der Justaucorps, ein Gehrock, der in allen Gesellschaftsschichten getragen wurde. Zur Grundausrüstung jedes Piraten gehörte noch ein Ausrüstungsgürtel an dem sich alle wichtigen Dinge befanden. Schnallenschuhe oder Stiefel waren an Land die gängige Fußbekleidung. An Bord liefen die meisten Piraten barfuss herum und ohne Justaucorps. Der Dreispitz in seinen verschiedenen Varianten gehörte ebenfalls zur damaligen Grundbekleidung. In der edlen Variante wurde er mit einer Perücke getragen. Viele Piraten trugen den Dreispitz mit einem Tuch darunter um den Schweiß aufzusaugen und die oft langen und ungepflegten Haare zu bändigen, wenn sie nicht als Zöpfe oder Pferdeschwanz gebunden waren. Wer sich keinen Tricorne - so lautet die englische Bezeichnung für den Dreispitz - leisten konnte, trug an Bord nur ein Tuch oder eine einfache Mütze um den Kopf vor Wind und Wetter zu schützen.

Weibliche Piraten

Um nicht als Frauen erkannt zu werden, trugen viele Piratinnen Männerkleidung. Zudem war die Männerkleidung für viele Aufgaben an Bord einfach praktisch. An Land trugen die Frauen der Mittel - und Unterschicht eine Bluse mit Rock und Schürze oder ein einfaches Kleid. Normalerweise war das oft sehr eng geschnürte Korsett ein Teil der Unterwäsche und der Blick darauf nur dem Ehemann gestattet. Aber emanzipierte Piratinnen ignorierten das.

Bei der Darstellung einer Piratin sollte normale Schminke recht sparsam verwendet werden. Nur Damen von Adel und Hafenschlampen schminkten sich mit weißem Puder, viel Lidschatten, rotem Lippenstift und Rouge.

Unsere weiblichen Scavenger Pirates benutzen keine Schminke. Das ist auch nicht nötig. :-)

Wie ihr seht, gibt es also aus historischer Sicht bereits eine Vielzahl an Variationsmöglichkeiten, wie ihr euren Piraten einkleiden könnt. Um Piraten wirklich authentisch verkörpern zu können, sollte man sich an diese Grundlagen halten. Sehr hilfreich ist es, einen Charakter zu erschaffen, mit Lebensgeschichte und Aufgabe an Bord. Auf diese Art bekommt man ein Gefühl dafür, was die Figur an Kleidung und Ausrüstung benötigt. Mehr zu den geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründen findet ihr unter "Piraten".

Die Umsetzung

Materialien:

Die übliche englische oder französische Herrenmode des ausgehenen 17. Jahrhunderts war aus Wolle, Baumwolle oder Leinen. Knöpfe bestanden aus Holz, Knochen, Nußschale und Metall (vor allem Messing, da Silber und Gold nur den Reichen vorbehalten waren). Der Dreispitz wurde aus Filz, manchmal auch aus Leder, gefertigt. Schuhwerk, Taschen und Gürtel waren ebenfalls aus Leder. Eine billigere Möglichkeit für einen Gürtel war ein Strick aus Hanf oder einer anderen Naturfaser. Schnitte für die historische und historisierte Kleidung findet man im Internet.

All diese Materialien lassen sich mit ein bisschen Recherche kostengünstig erwerben. Teilweise werden auch bereits fertig genähte Kleidungsstücke angeboten, die nur noch wenig verändert und personalisiert werden müssen.

Details und (Un)feinheiten

Used Look:

Der "Used Look" ist der Schlüssel zu einem überzeugenden Piratenoutfit. Alles sollte getragen und benutzt aussehen. Oft gehörten zur Beute der Piraten Kleidungsstücke und Stoffe, die Handelsschiffe mit sich führten. Wirklich passende Kleidung war aber eher ein Glücksfall. Mit einfacher Schminkfarbe in Braun und Schwarz lassen sind hervorragend Schmutzflecken und Dreckränder auf der Kleidung erzeugen. Fehlende Knöpfe, Kratzer, Risse und geflickte Stellen tragen ebenfalls zum richtigen Look bei. Meistens trugen die Piraten ihre Kleidung wochen- oder sogar monatelang. Ab und zu wurde die Wäsche mal gewaschen, aber meist auch nur durch einen Sprung ins Meer. Körper und Kleidung in einem Waschgang...

Schmuck:

Piraten trugen persönliche Andenken und Talismane, von der einfachen Muschelkette bis zum silbernen Amulett oder goldenen Ring. Jedes dieser Schmuckstücke erzählte einen Teil ihrer Lebensgeschichte. Passenden Schmuck findet man in den meisten Accessoireabteilungen und auf Trödelmärkten. Omas Schmucktruhe bietet auch das eine oder andere interessante Stück. Bei den Scavenger Pirates sind dazu noch einige Schmuckstücke selbst angefertigte Unikate aus Silber und anderen Materialien. Wichtig bei der Darstellung ist, sich nicht zu reich zu dekorieren. Denn Wohlstand schafft Neider. Wenn ein Pirat an jedem Finger einen Goldring mit Edelstein trug, konnte er sicher sein, die nächste Nacht nicht zu überleben...

Waffen:

Die meisten Piraten trugen eine Hieb- oder Stichwaffe und mindestens eine Pistole. Leider sind Pistolen, Schwerter/Säbel und Entermesser sehr teuer. Mit gut Glück sind Pistolen und Pulverhörner auch wesentlich billiger auf Trödelmärkten zu finden. Diese Schaumodelle sind nicht funktionsfähig und erfordern somit keinen Waffenschein. Unsere Hiebwaffen sind in der Regel schaukampftauglich und wurden alle bei Fachhändlern gekauft und anschließend bearbeitet. Leider ist es immer wieder nötig darauf hinzuweisen, dass Waffen kein Spielzeug sind. Insbesondere die Hiebwaffen erfordern Erfahrung und Vorsicht, wenn man sie bei einem Auftritt mit sich führen will.

No-Go´s:

Einige unserer Crewmitglieder sind Raucher. Um das Gesamtbild nicht zu stören, wird entweder außerhalb einer Veranstaltung Zigarette geraucht, oder noch besser auf die damals übliche Pfeife ausgewichen. Alle weiteren Dinge aus dem 21. Jahrhundert werden entweder gleich Zuhause gelassen, oder wenn notwendig, wie beispielsweise Handys, nur verdeckt mitgeführt um das Gesamtbild nicht zu stören.

Wenn diese Punkte beachtet werden steht der Karriere als gefürchteter Pirat nichts mehr im Wege!

Alle Scavenger Pirates haben für ihre Kostüme die oben genannten klassischen Variationsmöglichkeiten genutzt. Die Kostümteile wurden entweder selbst genäht oder bestehende Kleidungsstücke umgearbeitet. Mit viel Liebe zum Detail, vom Knopf bis zum Einschussloch, enstanden so Unikate. Die umfangreichen Accessoires, ob Ausrüstung oder persönlicher Schmuck, wurden aus unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen oder ebenfalls selbst angefertigt. Im Laufe der Jahre wurden immer wieder Kleidungsstücke variiert und Details hinzugefügt, wie man bei unseren verschiedenen Kaperfahrten gut sehen kann.

Am Beispiel von vier Besatzungsmitgliedern wollen wir jetzt die Umsetzung verdeutlichen.

Unsere kleine Modenschau sozusagen. :-)

Captain Lucky Bones

Tom Sharkhand und Monika Tajolo

Douglas "Claymore" McColl

Alle Links und Adressen der Händler, die uns mit Stoffen, Accessoires, Kleidungsstücken und Waffen versorgt haben hier aufzuführen würde den Rahmen unserer Homepage sprengen.

Gerne beantworten wir natürlich eure Fragen und geben weitere Tips zur Umsetzung!

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