Piraten!

Dieser Schrei war bereits vor über 3000 Jahren aus dem Ausguck zu hören.

Das wilde Leben der Piraten inspirierte viele Künstler über die Jahrhunderte hinweg. Autoren auf der ganzen Welt verfassten Gedichte und Geschichten über reale und erfundene Piraten. In der Neuzeit prägten Long John Silver aus
“Die Schatzinsel” und Captain Hook aus “Peter Pan” ebenso wie Errol Flynn als “Captain Blood” unser Bild der Piraten.
In Comics wie “Asterix” und verschiedenen Computerspielen wie “Monkey Island” durften die Piraten ebenfalls die
Meere unsicher machen. Für die Filmindustrie waren sie allerdings in den letzten 50 Jahren weitgehend uninteressant. Durch “Fluch der Karibik”, wurde das Genre neu belebt. Die Piraten enterten erneut die große Leinwand...

Die Geschichte der Piraterie

Bereits Homer schildert im 8. Jh. v. Chr. in seinen Epen Kaperfahrten zum Haupterwerb im Mittelmeerraum.
Besonders die Küsten der Ägäis luden als Versteck und Schlupfwinkel geradezu ein. Briefe des Herrschers von Zypern aus dem 14. Jh. v. Chr. belegen Piraten an der kleinasiatischen Südküste. Lykien - heute ein Teil der Türkei, galt in vielen späteren antiken Quellen als Heimat von Piraten, die große Teile des östlichen Mittelmeers unsicher machten. Die überhandnehmende Seeräuberei in der Ägäis wurde - laut Herodot und Thukydides - erstmals durch die kretische Marine bekämpft. Eine wahre Piratenplage veranlasste den römischen Senat im Jahr 67 v. Chr. den Feldherren Pompeius mit besonderen Vollmachten auszustatten. Sein regelrechter Seekrieg gegen die Piraten führte damit zum vorläufigen Ende der Piraterie in dieser Region. Später wurde von den nordafrikanischen Staaten unter moslemischen Machthabern, den sogenannten Barbareskenstaaten, die Seeräuberei als Haupteinnahmequelle betrieben. Dieses Unwesen ging noch Ende des 18.Jahrhunderts so weit, dass einige europäische Länder (zum Beispiel die unabhängige Hansestadt Hamburg) aber auch die noch jungen USA sich lieber zu regelmäßigen Zahlungen an die Regierungen der Barbareskenstaaten verpflichteten, damit ihre Handelsschiffe nicht behelligt wurden. Erst im Jahr 1830 setzte Frankreich diesem Treiben mit der Eroberung Algeriens ein Ende.

Als die Zeit der "klassischen Piraterie" gilt der Zeitraum zwischen 1650 und 1730, als europäische Piraten vor allem die Karibik unsicher machten. Später verlegten einige Seeräuber ihre Kaperfahrten in den Indischen Ozean, wo auf der Insel Madagaskar eine Art Piratenrepublik entstanden war, die bis etwa 1730 existierte.

Die Insel Tortuga war Hauptstützpunkt der Piraten der Karibik, bis Port Royal auf Jamaika 1655 zum zweiten Stützpunkt wurde. Hier fanden meist englische Piraten ihr Zuhause, auf Tortuga hauptsächlich französische. Port Royal wurde 1692 von einem Erdbeben und der folgenden Flutwelle zerstört. Danach wichen die Piraten auf die Bahamas (bis 1718) und nordamerikanische Häfen wie zum Beispiel New York aus.

Weitere Namen und Synonyme

Freibeuter:
hatten durch einen Kaperbrief das Recht, die Schiffe anderer Nationen zu überfallen. Alle seefahrenden Staaten haben diese Praxis betrieben um verfeindeten Nationen zu schaden und gleichzeitig die eigenen Schiffe vor Überfällen zu schützen. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert gab es staatlich gedultete oder sogar beauftragte Piraten. Oft hielten sich aber weder die Freibeuter noch die Aussteller an die im Kaperbrief festgelegten Rechte und Pflichten.

Flibustiere/Filibuster:
waren im 17. Jahrhundert eine hauptsächlich aus Franzosen bestehende Vereinigung von Piraten in der Karibik. Wahrscheinlich leitet sich der Name vom französischen Wort Flibot für „leichtes Boot“ ab.

Bukaniere:
waren Piraten mit fester Basis in der Karibik. Nebenbei verdienten sie ihren Lebensunterhalt mit der Jagd.

Korsar:
war die im Mittelmeer gängige französische Bezeichnung für Seeräuber

Piraten wie wir

Das Leben eines Piraten wurde oft aus Armut gewählt. Arme Fischer oder einfache Handwerker, die durch die strengen Gesetze und die damit verbundene schlechte Bezahlung, am Existenzminimum lebten, zog es auf See. Viele Seeleute der Armee wurden durch die verlockenden Aussichten auf Reichtum verführt oder sie schlossen sich auch bei der Enterung ihres Schiffes der Piratenmannschaft an, um nicht getötet zu werden. Die bei den Piraten tatsächlich praktizierte Demokratie war in der damaligen Zeit sehr spärlich verbreitet. Überall lag das erbarmungslose Gesetz und das Geld in den Händen des Adels, den Reichen und ihren Helfern. Piraten teilten ihre Beute brüderlich. Sie setzten von der zu Geld gemachten Beute ihr Schiff wieder instand und zahlten sogar einen Teil in einen Altersfond ein, um arbeitsunfähige und alte Kameraden zu unterstützen. Der Rest der Beute wurde für reichlich Essen, viel Alkohol und Tabak ausgegeben, im Glücksspiel eingesetzt oder für die Damen des horizontalen Gewerbes verwendet. Manch ein Pirat hat seinen Beuteanteil auch für schlechte Zeiten versteckt. Aber das Piraten ihre Schätze vergraben haben, ist wahrscheinlich nur ein Mythos. Oder? ;-)

Berühmte Piraten

- Klaus Störtebeker und Gödeke Michels (Nord- und Ostsee, 14./15. Jhd.)
- Sir Francis Drake (diverse Meere, um 1588)
- Henry Morgan (Karibik um 1670)
- Henry Every (Karibik, Atlantik & Indischer Ozean 1694-95)
- Thomas Tew (Madagaskar, 17. Jhd.)
- Richard Sievers, Ende 17. Jhd., indischer Ozean, einziger deutsche Pirat von internationalem Rang
- Christopher Moody (Karibik 1713-18)
- Edward Teach, alias Blackbeard (Karibik, später Carolina 1716-18)
- Calico Jack Rackham, Anne Bonny und Mary Read (Karibik, 1717-20)
- Edward England (Karibik um 1718, später Madagaskar)
- Bartholomew Roberts, alias Black Barty (Karibik, Westafrika 1718-22)
- John Phillips (Karibik 1721-23)
- Edward Low, (Neufundland, Brazilien, Karibik 1722-23)

Weibliche Piraten

Frauen durften offiziell keine Berufe an Bord ergreifen, da dies angeblich Unglück brachte. Anne Bonny und Mary Read, zwei der wenigen bekannten weiblichen Piraten, hielt das nicht davon ab, die Meere jahrelang unsicher zu machen. Sie verkleideten sich als Männer, bis sie eines Tages enttarnt wurden. Mit Sicherheit gab es noch andere Piratinnen, die den Männern an Wagemut und Abenteuerlust in nichts nachstanden.

Der Jolly Roger - die Flagge der Piraten

Zum Ursprung des Namens gibt es mehrere Versionen:

1. das englische "Roger" bezeichnet einen Vagabunden als auch den Teufel (Old Roger).
2. Französische Bukaniere nannten ihre ursprünglich rote Flagge joli rouge (schönes Rot).
3. Der indische Pirat Ali Rajah wurde von den Briten Olly Roger ausgesprochen.


Die Flagge von Edward England

Edward England war anfänglich der einzige Pirat, der in seiner Flagge den bekannten Totenkopf mit gekreuzten Knochen zeigte. Da die Flagge zur Identifikation der Piraten diente, hatte jede Mannschaft ein individuelles Zeichen. Die Flagge wurde meist erst kurz vor dem Entern gehisst. So konnte sich ein Piratenschiff durch falsche Beflaggung einem anderen Schiff nähern und so dessen Flucht verhindern. Verbunden mit den Geschichten über blutrünstige Piraten sorgte die plötzliche Enttarnung oft für Panik an Bord des anderen Schiffes und erleichtere das Entermanöver.

Dies gilt natürlich auch für die Flagge der Scavenger:
Hier mit hübscher Dekoration ;-)

Nachbildungen weiterer Flaggen berühmter Piraten:

Calico Jack Rackham, Henry Every, Thomas Tew, Blackbeard
Bartholomew Roberts 1 + 2, Edward Low, Christopher Moody